Mit einem klaren Votum gegen eine Teilfusion mit Sylt-Ost hat die Westerländer CDU einen Monat vor Kommunalwahl und Bürgerentscheid Position bezogen. Auch ohne die bisherige Bürgervorsteherin Gerda Wimmer wollen die Christdemokraten ihre Mehrheit in der Stadtvertretung weiter ausbauen und über Kooperationen das langfristige Ziel einer Fusion aller Gemeinden anstreben.
Westerland
Rechtzeitig vor der Kommunalwahl hat sich die Westerländer CDU beim Thema Fusion von ihrem Schlingerkurs der letzten Jahre verabschiedet. Als Ortsvorsitzender und Spitzenkandidat verkündete Wolfgang Jensen erstmals auf der Einwohnerversammlung am Montag die klare Ablehnung der beim Bürgerentscheid zur Abstimmung stehenden Fusion mit Sylt-Ost.
Jensen gegenüber der Sylter Rundschau: „Wir empfehlen, am 25. Mai beim Bürgerentscheid mit ’Nein’ zu stimmen, weil wir nach langem Abwägen zu der Auffassung gelangt sind, dass bei einer Teilfusion die Nachteile klar überwiegen.“ Wobei die Nachteile vor allem finanzieller Art und durch die Keitum Therme bedingt seien. „Die Therme ist eine starke Belastung, die man den Westerländer Bürgern nicht aufbürden kann. Wenn es finanzielle Engpässe gibt, ist das Land gefordert.“ Darüber hinaus würden im Falle einer Teilfusion Bürgernähe und Gestaltungsspielraum für die Selbstverwaltung verloren gehen sowie Mittel für freiwillige Leistungen fehlen.
„Auch Steuererhöhungen würden sich nicht umgehen lassen“, erklärt Carsten Kerkamm, den die CDU erneut als Kandidaten für das Amt des 1. Stadtrates und damit stellvertretenden Bürgermeister ins Rennen schickt. Kerkamm und Jensen betonen, dass die CDU „voll und ganz hinter einer Vollfusion aller Gemeinden“ stehe, da dort die Vorteile überwiegen würden.
Kerkamm: „Die wenigen Vorteile einer Teilfusion lassen sich auch durch Kooperationen erreichen, wie wir sie in vielen Bereichen anstreben.“ Sollte der Bürgerentscheid negativ ausgehen, werde sich die CDU dafür einsetzen, über eine Kooperation der kommunalen Tourismusbetriebe oder auch eine insulare Verwaltung den Weg zur angestrebten Vollfusion einzuschlagen.
Den Kritikern, die der CDU vorwerfen, nur deshalb für eine Vollfusion einzutreten, weil sie wüsste, dass diese nicht realisierbar sei, entgegnet Kerkamm: „Dann ist es auch Unsinn, die Teilfusion als ersten Schritt zur Vollfusion zu verkaufen.“ Sollten die Bürger beider Kommunen für eine Fusion zum 1. Januar 2009 stimmen, würde man dies „schnell und nachhaltig“ umsetzen.
Um Nachhaltigkeit geht es auch bei weiteren Schwerpunkten für die kommenden fünf Jahre. Allem voran eine solide Haushaltspolitik, damit die Stadt weiterhin ausreichend Mittel für freiwillige Leistungen in den Bereichen Sport, Kultur und Soziales sowie für den Wohnungsbau habe. Gerade in letzterem Bereich verweist die Partei, die seit 2003 über die absolute Mehrheit verfügt, mit Stolz auf den Erwerb von Marine- und Seedeichsiedlung sowie das bis 2022 angelegte Wohnungsbauprogramm.
Für eine wichtige Aufgabe hält man auch den Ausbau des Parkraumes in der Innenstadt, für den, ebenso wie für den Neubau der Feuerwache, bereits Geld in den aktuellen Haushalt eingestellt wurde. Jensen: „Wir brauchen zusätzlichen Parkraum und ein Verkehrskonzept, um die Situation in den Sommermonaten zu entzerren. Ein Verkehrschaos wie in den letzten beiden Jahren kann sich Sylt nicht mehr leisten.“ Weitere Ziele sind der Ausbau des Verhältnisses von TSW und Kleinvermietern, die Sicherung des Flughafens, Straßensanierungen, ein Fuß- und Radwegekonzept sowie die Unterstützung der Vereine bei der Jugendarbeit, um Kriminalität vorzubeugen.
Ziele, die man mit einem lediglich auf zwei Positionen veränderten Team erreichen will. Neben Dorothee Jensen wird auch Bürgervorsteherin Gerda Wimmer nicht wieder kandidieren (siehe 1. Lokalseite). Nachfolger der beiden als Direktkandidaten sind Peter Schnittgard und Karen Eckert. Eine Personalfrage hat die CDU allerdings noch nicht geklärt, nämlich wer im Falle einer CDU-Mehrheit in der Stadtvertretung Bürgervorsteher/in werden soll. Kerkamm: „Erstmal wollen wir unsere Mehrheit weiter ausbauen, dann gucken wir, wer am besten geeignet ist.“
Quelle: Sylter Rundschau 24.04.2008